
Scharfe Gedanken: Die Unselbständigkeit des Designs
“Das Brauchbare, von dem in diesen Überlegungen die Rede ist, ist weit gefasst, denn der historisch ausgebildeten getrennten Existenz der Disziplinen Architektur und Gestaltung entspricht kein systematischer Unterschied.” Vor acht Jahren erschien ein kleines Bändchen, das ich allen in der Designbranche hiermit wärmstens ans Herz legen möchte, weil es so gar nicht in die vom Marketinggebrabbel beherrschte Designlandschaft passt. Darin finden sich scharfe und durchaus anstrengende Analysen wie die eingangs zitierte Feststellung – in der dem Design mal eben die Eigenständigkeit abgesprochen wird – in einer dann doch erfrischenden Frequenz. » mehr zum Thema ‘Wider die Rhetorik des Designs’ lesen

Plattenspieler P1 von 1959: So lernte Dieter Rams Englisch (Foto Design Museum London)
Es ist schon eine liebe Gewohnheit: Ausstellungen, auch wenn sie keinen Bezug zu Amerika oder Großbritannien haben, bekommen einen englischen Titel verpasst. Bang! Just like that. Drei aktuelle Beispiele für solchen offensichtlichen Unsinn sind Gypsy Urbanism (über den Wiener Volksaufklärer Otto Neurath), less and more – Das Design Ethos von Dieter Rams (Deutschlands Vorzeigedesigner wohnte zeitlebens in Hessen) und The Best of Dutch Design (eine Auswahl niederländischer Produkte, die in Essen gezeigt wird). Was treibt gerade die Museen in eine kollektive Sprachflucht? » mehr zum Thema ‘The Art of Titleling’ lesen

Starkes Emblem: Japanische Nationalflagge
Zur Vorgeschichte des “red dot”. “das für grafiker bedeutendste beispiel eines emblems ist der rote punkt auf einem weißen feld, das zeichen für japan. da ist nichts wegzunehmen, nichts hinzuzufügen. auch wenn es einfacher nicht mehr geht”, schreibt der Grafiker Otl Aicher, in seinem 1991 erschienenen Buch die welt als entwurf. Es gibt aber mittlerweile noch einen Punkt gleicher Farbe, der durch die Medien geistert: der Designpreis “red dot”, der alljährlich vom Designzentrum Nordrhein-Westfalen vergeben wird. Dabei handelt es sich um eine der weltweit bekanntesten Auszeichnungen ihrer Art, was Preisverleiher und Preisträger natürlich erfreut. Der “Rote Punkt”, wie der “red dot” ursprünglich hieß, ist selbst eine prägnante und erfolgreiche Marke, die auf Aicher zurückgeht, einem ästhetischen Asketen, der darin ein Ideal verwirklicht sah. » mehr zum Thema ‘Verbesserung eines Punktes’ lesen

Rollschuheskapaden von Mike & Mike (National Museum of Rollerskating)
USA 1994. Das National Museum of Roller Skating in Lincoln, Nebraska, weiß viele Geburtstage. Es beherbergt die weltweit größte Sammlung an Rollschuhen aller Art, die ältesten von 1819. Als 1994 die Inlinekaters, noch nach dem Hersteller “Rollerblades” benannt, endgültig zur Mode wurden und Enthusiasten in Rudeln über Manhattans welligen Asphalt flitzten, sah das nicht nur verwegen aus. An einem einzigen Wochenende gab es damals drei Tote. Ein tragischer Umstand, der dem Draufgänger-Image des neuen Sports eher zuträglich gewesen sein dürfte. » mehr zum Thema ‘Füße auf Rädern’ lesen
![[3]-Bildstatistisches-Elementarwerk-b-web](http://formweh.de/wp-content/uploads/2010/02/3-Bildstatistisches-Elementarwerk-b-web-150x150.jpg)
Wirtschaftsformen der Erde: Bildstatistik von Otto Neurath (1930)
Das Museum für Angewandte Kunst in Wien schickt mir Presseinformationen zu einer
Ausstellung über den Wiener Sozialisten, Universalgelehrten und Pionier der visuellen Kommunikation Otto Neurath. Warum der Titel der Ausstellung
Gypsy Urbanism lautet, wird dem unbedarften Leser nicht deutlich. War Neurath etwa ein englischer Roma? Des Rätsels Lösung: Die Ausstellung geht auf eine amerikanische Dissertation zurück, deren aus dem Deutschen übersetzten Titel man übernahm, eine Rolle rückwärts, mit der ein spannendes Projekt unnötigerweise in den Ruch modischen Sprachfremdelns gerät.
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