Neuerfindung der Schere

Griffige Schere

Finnland 1967. Wenn Finnen eine orangenfarbene Schere sehen, packt sie ihr Nationalgefühl und sie überprüfen diskret, ob es sich auch um das Original handelt – eine Fiskars-­Schere „Made in Fin­land“. 1967 brachte die Firma Fiskars ein Modell auf den Markt, dessen organisch-er­gonomisch geformter Plas­tikgriff in Hellorange leuch­tete. Das leichte, handliche Schnei­dewerkzeug war eine Welt­neuheit. Die neuzartige Schere ­wurde zum ­bekanntesten finni­schen Industrieprodukt (mit technischer Hilfe des britischen Klingenherstellers Wilkensen und des deutschen auf Kunststoff spezialisierten Bayer-Konzerns). Obwohl es zu­gleich auch eines der am häufigsten kopierten Produkte ist, machte es Fiskars – einer der ältesten Industriebetriebe Finn­lands – zum größten Scherenhersteller der Welt.

 

Fiskars-Schere, 1979

Das sture Beharren auf Vernunft machte Firskars, eine Marke die sehr spät auf dem deutschen Markt angekommen ist, zu soetwas wie dem Flagg­schiff des fin­nischen Designs. In einem Land, in dem Designer wie Nationalhelden verehrt werden, ist letzteres schon eine beachtliche Leistung für eine Firma, deren Designer weitgehend an­onym bleiben. Angeregt durch den internationalen Ruhm fin­nischer Designer hatte man es wäh­rend der 50er Jahre bereits einmal mit dem Silber­schmied Ber­tel Gard­berg versucht. ­­Doch erst die poppige Kunstoffschere – heute in anglizistischer Globalsprache Clas­sic genannt – brach­te den Durch­bruch. Mitt­lerwei­le ist sie in der x-ten Generation und wird in zahlreichen Modellversionen angeboten. „Die Ergonomie kann immer ver­bessert wer­den“, meint Olavi Lindén, Fiskars Entwicklungschef, der noch mehr Merk­sätze parat hat, wie etwa: „Design ist die Kunst, die Ver­braucherwünsche mit den Mög­lichkeiten der Industrie­produktion zur Deckung zu brin­gen.“ Oder: „Gutes Industriede­sign muß die Produkte verbessern und die Kosten drü­cken.“ Oder: : „Wenn der Kunde das Produkte zuhause das erste mal benutzt, muß er noch eine positive Überraschung erleben.“ Haus­philosophie ist die Ergonomie und ein Positivismus, der neben den blanken Fak­ten kein anderes Kriterium ­kennt. Deshalb sieht man die sechs­ Mitarbeiter der Design- und Ent­wicklungs­abteilung sehr häufig in Arbeitshandschuhen und Gum­mistiefeln. Alle Produkte werden wieder und wieder unter echten Ar­beits­bedingungen getestet. Noch ein Merksatz aus dem fiktiven Handbuch des Funktionalismus: „Unser Design ist so klar und einfach wie nur irgend möglich.­“ Die Samm­lung internationaler De­signpreise, die di9e finnischen Bauhausepigonen mittlerweile anhäufte, hat ehr­furchteinflößende Ausmaße, ist ihnen aber nicht wichtig­. Größ­ter Exportmarkt sind die USA, wo man jährlich allein viele Millionen kunterbunte Kinderscheren absetzt. Die Kids lieben Plastik .. bp

1 Kommentar zu “Neuerfindung der Schere”


  • Ich liebe das tolles Design von diese Schere.Als ich einen Stück damals kauffte trotz den höhe Preis (70 Dm)war ich als
    Kunstler hoch begeistert so eine tolle Dingue zu haben um meine Schablonen perfect auszuschneiden.

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