Den Schiffer im kleinen Schiffe
ergreift es mit wildem Weh
Vom Reiz der Dinge

Conran als "young angry man" (Foto: Design Museum London, zu der Ausstellung "Terence Conran -The Way We Live Now"
In seiner Heimat widmet man ihm Ausstellungen. Außerhalb Großbritannien ist ein Name dagegen nur wenigen Eingeweihten bekannt. Dabei springt uns sein Name von diesen Büchertischen, die uns in der Fußgängerzone in den Weg gestellt werden und auf denen sich die Einrichtungstitel stapeln, überall entgegen. Terence Conran – Sir, Urlondoner, Verleger, Stilberater, Highstreetexperte, Immobilienjongleur, Möbel- und Restauranterfinder -, der ständig mit Feingefühl irgendwelche Fäden zieht und dabei noch die Welt beglückt. Wir erinnern uns: Nachdem Maggie Thatcher die Gewerkschaften gekillt hatte, entwickelte der “Rote Tony” (so nannte ihn seine Frau Cherie wegen seiner Vorliebe für rötliche Krawattenmuster) – also Ex-Premierminister Tony Blair entwickelte die neue Revolutionstheorie von “New Labour”. Die ging, um es noch einmal schnell zu wiederholen, kurz gesagt so: Das ganze Land ist eine Börse; alle spekulieren wie wild drauf los, und werden dabei reich und glücklich. Und um das auch zeigen zu können, braucht man viel Design, zuhause, beim Einkaufen und beim Essengehen (was die Briten mangels Lokalen zunächst allerdings noch selten unternahmen). Da kommt Terence Conran ins Spiel, ein Berater von Blair. » mehr zum Thema ‘Conrans Empire’ lesen
Schiffe sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Dass die Idee, Passagiere beziehungsweise deren Unterkünfte optimal zu stapeln, schon zu einem frühen Zeitpunkt auf dem Rhein umgesetzt wurde, ist aus tourismuswirtschaftlicher Perspektive kaum verwunderlich. Nicht zuletzt in den Niederlanden, die ja bekanntlich an der Rheinmündung liegen und in Transportgeschäften jahrhundertelange Erfahrungen besitzen, fand diese Idee und deren daraus unmittelbar resultierende Formgebung schnell Anklang. Das führte zu völlig neuen Bootstypen: dem schwimmenden Kubus oder Klotz, dessen naher Verwandter das Klötze tragende Containerschiff ist. Während aber auf einen Containerfrachter dicht an dicht bis zu 10.000 Einheiten passen, erreichen selbst die größten Kreuzfahrtschiffe nicht mal die Hälfte an Passagierzahlen. Was wiederum ein Schlaglicht darauf wirft, wie sperrig der Mensch ist. » mehr zum Thema ‘“Costa Concordia”, ein böses Omen?’ lesen
„Organic Design in Home Furnishings“ (Organisches Einrichtungsdesign) hieß die Schau, die 1940 im New Yorker Museum of Modern Art stattfand, das damit (nach „International Style“ acht Jahre zuvor) bereits zum zweiten Mal als Sprachregulator fungierte. Ein schicker Name! Alle freuten sich über das Neugeborene, auch wenn es ein Kriegskind war und etwas fahle, eingefallene Backen hatte. Andererseits: Schon wieder einer dieser Stile, von dem man gar nicht so ganz recht weiß, ob es ihn tatsächlich gab, oder ob es nur ein Wortpopanz ist, der sich selbstständig machte und seitdem durch die Welt gespenstert. Diese drängenden Fragen werden nun in einem noch ziemlich neuen Buch behandelt: darin wird auch erstmals die komplette Design-Kommode mit ihren Stilschubladen der letzten 100 Jahre geöffnet. Da kommt so manche Stilblüte zum Vorschein. » mehr zum Thema ‘Stilkunde: Weich und geschwollen 1′ lesen
“Wulff machte erneut deutlich, dass er nicht an Rücktritt denke”, meldeten neulich verschiedene Zeitungen. Das kennen wir ja schon. Aber wie lange wollen wir uns diesen Unsinn eigentlich noch bieten lassen? Denn das Nicht-denken, auf das man sich hier zurückzieht, geht doch gar nicht! Selbst beim Herrn Bundespräsidenten Christian Wulff. » mehr zum Thema ‘Wulff denkt doch an Rücktritt!’ lesen