Datenaustauschverbesserungsgesetz

Beim Dösen hörte ich Nachrichten und habe sofort stramm gestanden, als der Nachrichtensprecher das Datenaustauschverbesserungsgesetz ausstieß. Es kam aus seinem geschulten Mund, als wäre es kein Ungetüm, sondern das normalste Wort der Welt. Dabei handelt es sich bei diesem politbürokratischen Tatzelwurm auch noch um ein brandneues Sprachgeschöpf!

Mich beschleicht das Gefühl, dass, wenn die Entscheider entscheiden müssen, aber nicht weiterwissen, Sie die Wehrlosigkeit der deutschen Sprache, die bekanntlich so ziemlich alles mit sich machen lässt, gnadenlosausnutzen. Dann holen sie sich aus ihren vielen Ablagen schnell hier und da ein paar Wortstückchen heraus und basteln sich daraus flugs ihre Wirklichkeit. Und das kommt dann auch noch in den Nachrichten. Und zwar subito. Und dann wissen wir, dass es ab jetzt immer besser wird mit dem Datentausch. Austausch, das hört sich nach einträchtigem Geben und Nehmen an, wie das ja auch sonst überall sonst bei Daten so üblich ist. Und schließlich gibt es jetzt das Datenaustauschverbesserungsgesetz.

Datenaustauschverbesserungsgesetz. Das hat zwar vorne eine knuddelig weiche d-Schnauze und beginnt mit einem fröhlichem Da-bin-ich, endet aber mit einem tz-Knartz. Ist eben ein etz-etz-etz-Gesetz. Von seinen 38 Buchstaben dazwischen sind nur 12 Vokale (also 26 Glucks- und Reibkonsonanten). Das kann nichts zum Klingen kommen. Der häufigste Buchstabe ist dabei das zischelnde s (6 mal). So kommt nicht mal ein richtiger Rhythmus auf, sonst eigentlich unsere ganz große Stärke. Zweithäufigster Buchstabe ist das belanglose e (5 mal). Das passt schon. Am besten vergessen wir das Wort und seinen Eintagesruhm. Das wird sowieso sein Schicksal sein. Aber lassen wir es uns noch ein letztes mal auf der Zunge zergehen, das Datenaustauschverbesserungsgesetz.

Objektverfügbarkeit hat durchaus philosophische Tiefe, musste aber zurückstehen.

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