Erinnerung an RWLE

Celle

Mein Freund, RWLE Möller, der Reinhard eben, wäre in diesem Jahr 60 geworden. Warum erinnert denn keiner an ihn? Wo er doch eine Stiftung gegründet hat. Das hat er nun wirklich nicht verdient. Er, der so viele Tabus gebrochen hat wie kaum ein anderer, den ich kenne (oder kannte): Hippie, Maler, Schwuler, Lebenskünstler, Dandy, Erzähler, Leserbriefschreiber, Säufer, Linker, Privatgelehrter, Schriftsteller. Und vor allem Gewissen seiner Heimatstadt namens Celle, der er in tiefer Hassliebe verbunden war. Er war das geistige Asylantenheim ganzer Schülergenerationen.

Für so viele Suchende die wichtigste Adresse in der Zöllnerstraße. Natürlich auch Chronist, versteht sich doch ohnehin von selber. Feingeist habe ich vergessen. Er war äußerst unterhaltsam. Manchmal aber auch verbohrt. Und dann wieder erfinderisch: Er erfand sein eigenes Logo RWLE nach den Initialen seiner vier Vornamen. Darin steckte die Verbindung zu seiner gutbürgerlichen Vergangenheit und zugleich der Bruch mit derselben. Ein Schlüssel zu seiner ganzen Besessenheit. Das habe ich lange nicht kapiert.

Reinhard, alias RWLE

Und warum war er solchein  Selbstzerstörer? Wegen seiner unbeugsamen Humanität und den bohrenden Fragen. Alter, wer dich kannte, mochte dich, weil du ein Menschenfreund warst und unter allen Umständen geblieben bist. Das scheint ja heute das Allerschwerste zu sein. Wie viele aussichtslose Aktionen hast du gestartet  und wie viele Herzen dafür entflammt. Das Feuer ist aus, seit über zehn Jahren. Es ist Zeit, wieder mal an RWLE zu erinnern!

Ich war mit ihm in Amsterdam. In Ostberlin. In Remagen. In Nordstrand. In Montespertoli und anderswo.      bp

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