Bitte einsteigen zur Kunstreise!

Miss Europa auf dem Plakat – eine digitale Collage

Kunstreise | Collagen, Zeichnungen und Fotos von Bernd Polster vom 21.Mai bis 12. Juli in der Galerie ArtspaceK2, Remagen, Kirchstraße 2

In der Galerie ArtspaceK2 im schönen Remagen zeige ich unter der Wortmetapher Kunstreise sowohl einige meiner früheren als auch aktuelle Bilder. Der Titel weist auf eines meiner Kunstbücher hin – mein drittes -, in dem ich „Die Kunstreise“ dokumentiere, die ich 1970 mit meinem Malerfreund RWLE Möller unternommen habe (bevor er anfing zu malen). Wir fuhren mit dem Rucksack nach Holland, um große Kunst von Nahem zu betrachten, Avantgarde und alte Meister. Das hat eine Lawine und viel bildweh ausgelöst ..

Die Hängung meiner Ausstellung in Remagen war vorgestern. Die es schon gesehen haben, waren entzückt. Und dann ist da eine methodische Diskussion losgebrochen, die mit meiner Arbeitsweise zusammenhängt. Ich fotografiere, collagiere und zeichne ja, seit ich denken kann. Nun hat sich seit ein paar Jahren – oh Schreck! – die Arbeit mehr und mehr in den Computer verlagert.

Photoshop, Zeichentablet und Plotter sind weitgehend an die Stelle des Bleistifts, der Schere und der Dunkelkammer getreten. Es stinkt nicht mehr nach Kleber und Fixierungsbad. So weit so gut: Es haben sich unendliche neue Möglichkeiten ergeben und Genres verfließen mehr denn je ineinander. Zweifellos eine abenteuerliche Reise. Da ist eiserne Disziplin gefragt, um sich nicht in den Weiten der unbegrenzen Bilderwelten zu verlieren oder in die klaffenden Canyons schöner Belanglosigkeiten zu stürzen ..

Meine Bilder im ArtspaceK2: ein schöner Raum.

Aber ist das überhaupt noch Kunst? Die Freunde der Stempelkissen und die Ismus-Polizisten treten nun auf den Plan. Es sollen schon etliche neue Stilkommoden angeschafft worden sein, um genug Schubladen bereit zu haben, in die man die Werke angeblich dringend unterbringen muss. Kann eine Zeichnung, die  auf einem Foto basiert, überhaupt eine Zeichnung sein? Und ist eine digitale Collage, bei der es kein Original mehr gibt, noch eine Collage? So raunen die Geisterdiskutanten schon durch den Ausstellungsraum. Ich würde es gern mit John Hartfield, einem meiner großen Helden, halten, der auf die modernste Technik setzte und dem es in politisch turbulenten und völlig verrückten Zeiten nicht zuletzt auf zwei Dinge ankam, starke Bilder und Relevanz!

Das Kunstbuch Nr. 3 im Soldatenkoffer von meinem Opa Adolf.

Ich habe viele neue Erfahrungen beim methodischen Grenzüberschreiten gemacht – auch das ist eine aufregende Kunstreise! – und ich bin mittlerweise dabei, einen Fundus einmaliger und unwiederholbarer Materialien und Oberflächen anzulegen. Ich will hier nur meine umfangreiche Sammlung verrotteter Kronkorken als ein Beispiel nennen (die übrigens auch in die Ausstellung eingeflossen ist). Wenn die Materialität dieser Stoffe dann in der glatten Plastikoberfläche einer Hartschaumplatte verschwindet und nur noch das Visuelle zählt, finde ich das weit spannender als jeden Kriminalroman. Weil nämlich etwas Neues und Magisches entstanden ist, das aber – und das ist das Tolle – nicht die Verbindung zur Wirklichkeit verliert. Seit ein paar Monaten bin ich dabei, die Technik meiner Bleistiftzeichnungen zu digitalisieren. Zwei Beispiele sind in der Ausstellung zu sehen. Bei meinen transformatorischen Expeditionen ins Ungewisse ist mir eines immer wieder aufgefallen (außer dass die Arbeit nicht weniger wird sondern mehr). Das mit Abstand Entscheidende bei der Entstehung neuer Motive ist und bleibt die zündende Bildidee. Es können ruhig auch mehere sein. Und dann natürlich nicht zu vergessen: das bildweh, das so wild wie eh und je in meinem Herzen lodert ..

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