{"id":851,"date":"2010-02-28T20:24:08","date_gmt":"2010-02-28T19:24:08","guid":{"rendered":"http:\/\/formweh.de\/?p=851"},"modified":"2012-02-16T19:16:04","modified_gmt":"2012-02-16T18:16:04","slug":"die-verbesserung-des-punktes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/formweh.de\/?p=851","title":{"rendered":"Verbesserung eines Punktes"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_862\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><em><em><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/flagge_japan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-862\" class=\"size-thumbnail wp-image-862\" title=\"flagge_japan\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/flagge_japan-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/em><\/em><p id=\"caption-attachment-862\" class=\"wp-caption-text\">Starkes Emblem: Japanische Nationalflagge<\/p><\/div>\n<p><strong>Zur Vorgeschichte des &#8222;red dot&#8220;<\/strong><em><strong>. <\/strong>&#8222;das f\u00fcr grafiker bedeutendste beispiel eines emblems ist der rote punkt auf einem wei\u00dfen feld, das zeichen f\u00fcr japan. da ist nichts wegzunehmen, nichts hinzuzuf\u00fcgen. auch wenn es einfacher nicht mehr geht&#8220;<\/em>, schreibt der Grafiker <a href=\"http:\/\/www.formguide.de\/designer\/uebersicht\/otl-aicher\/portraet\/1\/\">Otl Aicher<\/a>, in seinem 1991 erschienenen Buch <em>die welt als entwurf<\/em>. Es gibt aber mittlerweile noch einen Punkt gleicher Farbe, der durch die Medien geistert: der Designpreis &#8222;red dot&#8220;, der allj\u00e4hrlich vom Designzentrum Nordrhein-Westfalen vergeben wird. Dabei handelt es sich um eine der weltweit bekanntesten Auszeichnungen ihrer Art, was Preisverleiher und Preistr\u00e4ger nat\u00fcrlich erfreut. Der &#8222;Rote Punkt&#8220;, wie der &#8222;red dot&#8220; urspr\u00fcnglich hie\u00df, ist selbst eine pr\u00e4gnante und erfolgreiche Marke, die auf Aicher zur\u00fcckgeht, einem \u00e4sthetischen Asketen, der darin ein Ideal verwirklicht sah.<!--more--><\/p>\n<p>Auf der Homepage des Designzentrums, heute &#8222;red-dot.de&#8220;, k\u00f6nnte man dagegen den Eindruck gewinnen, <a href=\"http:\/\/www.formweh.de\/?p=551\">Peter Zec<\/a>, der langj\u00e4hrige Leiter des Zentrums, m\u00fcsse wohl der Urheber der Punkt-Idee sein. Man liest dort unter anderem, diese stamme<em> &#8222;aus der Feder von Otl Aicher und dem Kopf von Peter Zec&#8220;<\/em>. Was soll das bedeuten? Aicher, einer der Gro\u00dfen des Corporate Design, war eigentlich daf\u00fcr bekannt war, dass er intensiv seinen Kopf benutzte. Au\u00dferdem war er ber\u00fchmt und geradezu ber\u00fcchtigt daf\u00fcr, niemals halbe Sachen zu machen. Aicher, der Ganz-oder-Garnicht-Mann, ist Urheber des Konzepts &#8222;Roter Punkt&#8220;, das nahtlos in sein Portfolio passt und in dem zwei Grundanforderungen an gutes Design verschmelzen, n\u00e4mlich Reduktion und Innovation. <em>&#8222;es bringt nichts, das schachbrett um eine farbe zu bereichern, der spielm\u00f6glichkeiten gibt es genug. spiele setzen reduktion voraus&#8220;<\/em>, brachte er 1966 seinen kategorischen Minimalismus in ein pr\u00e4gnantes Bild.<\/p>\n<div id=\"attachment_871\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/rotepunktaktion-hazarchiv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-871\" class=\"size-thumbnail wp-image-871\" title=\"rotepunktaktion-hazarchiv\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/rotepunktaktion-hazarchiv-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/rotepunktaktion-hazarchiv-150x150.jpg 150w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/rotepunktaktion-hazarchiv-300x298.jpg 300w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/rotepunktaktion-hazarchiv.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-871\" class=\"wp-caption-text\">Rote-Punkt-Aktion 1969 (Hist. Museum Hannover)<\/p><\/div>\n<p>Welche Rolle der unerfahrene Zec bei diesem kreativen Prozess gespielt haben k\u00f6nnte, bleibt ebenso unklar wie die Geburtsumst\u00e4nde des Designpreises. Zec selbst sagt in Interviews,\u00a0 das Signet gehe auf die g\u00e4ngige Praxis von Galeristen zur\u00fcck, verkaufte Bilder mit roten Punkten zu markieren. Beim Verkaufen kennt er sich aus. K\u00f6nnte nicht &#8211; neben Aichers Flaggensymbolik &#8211; eher ein spektakul\u00e4res Ereignis aus den Sechzigerjahren als Inspiration gedient haben (das Zec nicht erw\u00e4hnt). 1969 boykottierten Sch\u00fcler und Studenten in Hannover Busse und Stra\u00dfenbahnen wegen \u00fcberh\u00f6hter Fahrpreise und organisierten gleichzeitig einen freiwilligen Ersatzfahrdienst. Autofahrer, die bereit waren, umsonst Mitfahrer mitzunehmen, klebten sich einen roten Punkt an die Windschutzscheibe. Diese Kampagne, die auf zahlreiche St\u00e4dte in der ganzen Bundesrepublik \u00fcbersprang, nannten die Protestler &#8222;Rote-Punkt-Aktion&#8220;. Eine Wortsch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Das Designzentrum Nordrhein-Westfalen war 1953 als Verein Industrieform in Essen gegr\u00fcndet worden, wo es auch die renommierte Folkwangschule f\u00fcr Gestaltung gab. Der r\u00fchrige Verein wurde laut hauseigener Website 1990 &#8211; nach drei Umz\u00fcgen &#8211; im Geiste der Achtzigerjahre in &#8222;Designzentrum&#8220; umgetauft. Ein Neubeginn: Das damit verbundene neue Erscheinungsbild der Einrichtung &#8211; inklusive &#8222;Roter Punkt&#8220; &#8211; entwarf Otl Aicher. Es wurde offenbar 1991 eingef\u00fchrt. In diesem Jahr, dem Todesjahr von Aicher, kam Manager Zec ans Designzentrum. 1997 zog man zum letzten mal um, nun in die \u00fcberfl\u00fcssig gewordene und f\u00fcr den neuen Zweck gro\u00dfz\u00fcgig renovierte Zeche Zollverein. Drei Jahre sp\u00e4ter entschied ihr neuer Leiter, den erfolgreichen &#8222;Roten Punkt&#8220; in &#8222;red dot&#8220; umzutaufen, angeblich weil, so die hauseigene Website, <em>&#8222;der deutsche Name in der internationalen Designwelt schwerlich zu \u00fcbersetzen&#8220;<\/em> sei. Das ist schwerlich zu verstehen, zumal wenn ein paar Zeilen vorher darauf hingewiesen wird, dass im Ausland damals von \u201ePunto Rosso\u201c und \u201ePoint Rouge\u201c gesprochen wurde.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte es nicht viel mehr so sein, dass der Umschwung weniger kommunikative oder \u00e4sthetische Ursachen hatte, sondern eher eine Frage der Rechte und der damit verbundenen Geldfl\u00fcsse war. Beim &#8222;reddot&#8220;-Komplex hat jedenfalls nun Peter Zec die H\u00e4nde im Spiel. Im \u00fcbrigen handelt es sich bei der Umfirmierung um einen Sprachwechsel, der stets mit unvermeidlichen Bedeutungsverschiebungen verbunden ist. Im Englischen gibt es verschiedene Begriffe f\u00fcr Punkt. Die bekanntesten sind &#8222;point&#8220;, &#8222;full stop&#8220;, &#8222;spot&#8220; und &#8222;dot&#8220;. Der Aicher&#8217;sche &#8222;Punkt&#8220;, auf den sich eine Sache reduziert, zielte auf Exaktheit. Dagegen steckt in &#8222;dot&#8220; die Anspielung auf das fl\u00fcchtige &#8222;dot-com&#8220; des Internets sowie auch der amorphe Fleck, den mancher auf der Weste hat. Zec wollte nicht exakt sein, sondern weg vom Formasketen Aicher und dessen Schachbrett verbessern. Aus einem Punkt wurde nicht nur ein &#8222;dot&#8220;, sondern schlie\u00dflich auch ein Globus, der sich &#8211; in der Art einer <a href=\"http:\/\/www.red-dot.de\/\">Spirale<\/a> oder eines gesch\u00e4lten Apfels &#8211;\u00a0 heutzutage im Webuniversum unaufh\u00f6rlich um sich selbst dreht. Nicht als Symbol, dass jemand etwas auf den Punkt gebracht hat, sondern &#8211; so lehrt uns red-dot.de &#8211; f\u00fcr die sch\u00f6ne, neue <em>&#8222;faszinierende Welt des Designs&#8220;<\/em> .. bp<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Zur Vorgeschichte des &#8222;red dot&#8220;. &#8222;das f\u00fcr grafiker bedeutendste beispiel eines emblems ist der rote punkt auf einem wei\u00dfen feld, das zeichen f\u00fcr japan. da ist nichts wegzunehmen, nichts hinzuzuf\u00fcgen. auch wenn es einfacher nicht mehr geht&#8220;, schreibt der &hellip; <a href=\"https:\/\/formweh.de\/?p=851\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[73,86],"tags":[],"class_list":["post-851","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erscheinungsbild","category-szenesitten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/formweh.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/851","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/formweh.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/formweh.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/formweh.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/formweh.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=851"}],"version-history":[{"count":79,"href":"https:\/\/formweh.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/851\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2795,"href":"https:\/\/formweh.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/851\/revisions\/2795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/formweh.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/formweh.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=851"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/formweh.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}