{"id":4204,"date":"2014-01-20T22:09:37","date_gmt":"2014-01-20T21:09:37","guid":{"rendered":"http:\/\/formweh.de\/?p=4204"},"modified":"2014-03-14T12:58:32","modified_gmt":"2014-03-14T11:58:32","slug":"akut-damlicher-auto-crash","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/formweh.de\/?p=4204","title":{"rendered":"Akut D\u00e4mlicher Auto Crash"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/michael-ramstetter-web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-4246\" alt=\"michael-ramstetter-web\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/michael-ramstetter-web-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Dereinst hatte ich den Vorzug, den Ex-Bunte-Journalisten Michael Ramst\u00e4tter kennenzulernen (der lie\u00df mich sogar nach M\u00fcnchen einfliegen, als das Flugzeug gerade erst erfunden war). Er war eben damals schon verdammt wichtig und \u00e4hnlich unverzichtbar ist wie zum Beispiel Dieter Hoeness. Deshalb machte er sich seine Spielregeln eben auch einfach selber: und hat jahrelang Zahlen f\u00fcr den ADAC gef\u00e4lscht. Das ist nichts sonderlich Neues in der Republik der matt gelackten Oberhemdhelden und wehrhaft Wertelosen. <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hoch lebe der Club der Autoisten! Rehabilitiert Ramst\u00e4tter! <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Kuendigungsschreiben-an-den-ADAC\/!131373\/\">Boykottiert den Akut D\u00e4mlichen Auto Crash!<\/a><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/photocaseadac200114.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4205\" alt=\"photocaseadac200114\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/photocaseadac200114-300x150.jpg\" width=\"300\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/photocaseadac200114-300x150.jpg 300w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/photocaseadac200114.jpg 684w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Erinnern wir uns: Ein deutscher Autofahrer, der, wie ich, gleich nach dem Abitur seinen F\u00fchrerschein macht und sich dann bis ins Greisenalter ans Lenkrad klammert, umrundet selbst bei durchschnittlicher Fahrleistung ein dutzend mal und mehr den Erdball. Was der rollende Mensch, auch wenn er meistens nur zwischen Schwieberdingen und Stuttgart pendelt, da nicht alles sieht &#8211; und denkt! Denn das am Stra\u00dfenrand vor\u00fcberrauschende Realtheater, animiert, wie wir wissen, in unterschiedlichster Weise die Aktivit\u00e4t unter der Sch\u00e4deldecke. Wodurch wiederum die Hormone kochen. Dieser psychophysische Ausnahmezustand wird noch verst\u00e4rkt durch die minimalistische Sinfonie des Motors sowie die st\u00e4ndigen Beschleunigungs- und Bremsvorg\u00e4nge, die ja schon rein physisch das Hirn in Schwung bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und dann muss unbedingt zumindest noch kurz darauf hingewiesen werden: Unsere meistbenutzte und -geliebte (!) Bewegungshilfe, die also auch als Gehirnschaukel fungiert, ist nat\u00fcrlich zugleich ein von innen gepolsterter Stahluterus, in dessen wohliger, gleichbleibender Temperatur wir uns, hermetisch abgeschirmt von all der Bosheit da drau\u00dfen, einfach so bequem wie bei Muttern f\u00fchlen. Auch dass der gemeine Autofahrer gew\u00f6hnlich alleine f\u00e4hrt, erscheint da pl\u00f6tzlich in v\u00f6llig neuem Licht. Dass aber diese hoch emotionale und kontemplative, ja meditative Extremsituation bisher weder von der Hirnforschung seziert noch von der New-Age-Szene als medidativer Supertripp gehypt wurde, ist eigentlich unfassbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Viele Weltr\u00e4tsel unserer modernen Zeit blieben so ungel\u00f6st. Leuchtet auf diesem Hintergrund doch etwa sofort ein, warum das Automekka Amerika, wo beingest\u00fctzte Selbstbewegung weitgehend abgeschafft ist, trotz seines sprichw\u00f6rtlich miesen Bildungssystems die meisten Nobelpreistr\u00e4ger hat. Und von dort kommt schlie\u00dflich auch das Roadmovie. Wie auch der Roman &#8222;On the Road&#8220;, praktisch die Betriebsanleitung f\u00fcr autoistische Welterkenntnis. Und die soll jetzt endlich mal benutzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/renault-r4-06.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-4211\" alt=\"renault-r4-06\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/renault-r4-06-1024x672.jpg\" width=\"368\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/renault-r4-06-1024x672.jpg 1024w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/renault-r4-06-300x196.jpg 300w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/renault-r4-06.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 368px) 100vw, 368px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Fundament meines autoistischen Weltbildes ist die Liebe zum Renault R4, einem frankophilen Gef\u00e4hrt, auf dem ich einst fahren lernte. So wird es auch zur Reise in die Vergangenheit, die ja nicht nur die eigene ist. Dahinter steckt mehr als Nostalgie. Der R4 war n\u00e4mlich noch kein Uterus, sondern &#8211; im Gegenteil &#8211; ein Vehikel zur Neugeburt, in dem man den Spie\u00dferkonventionen entkam und heute vielleicht immer noch entkommt. In dem spartanischen Gef\u00e4hrt steckt auch Sehnsucht nach dem einfachen Leben. Schon weil er kubisch und praktisch ist, war er auch eine Hommage an das Bauhaus (ein Motortausch dauerte h\u00f6chsten eine Stunde). In den fr\u00fchen Modellen sa\u00df man auf Stahlrohrsitzen! Aber nat\u00fcrlich war der franz\u00f6sische Exportschlager auch ein Transportmittel all der l\u00e4ngst zerplatzten Hippietr\u00e4ume, inklusive eigenh\u00e4ndig aufgepinseltem Peace-Zeichen (1968 war er sieben Jahre alt). Wenn ich also heute in diese Inkarnation des &#8222;Weniger ist mehr&#8220; einsteige, ist das nicht nur ein nostalgischer Spa\u00df, sondern auch eine Provokation gegen das \u00dcberhandnehmen des Schwergewichtigen und Spielregelverderber auf unseren Stra\u00dfen und gegen das fette Leben \u00fcberhaupt. All diese Ramst\u00e4tters eben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/r4l.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-4217\" alt=\"r4l\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/r4l-1024x707.jpg\" width=\"368\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/r4l-1024x707.jpg 1024w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/r4l-300x207.jpg 300w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/r4l.jpg 1158w\" sizes=\"auto, (max-width: 368px) 100vw, 368px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nat\u00fcrlich ist es im R4 auch zugig, laut und gef\u00e4hrlich. Aber gerade deshalb ist diese motorisierte Blechb\u00fcchse auch ein Hingucker. Man kommt ins Gesp\u00e4ch \u00fcber diese Essenz des Autos: die \u00fcbrigens Jean-Paul Sartre angeblich im v\u00f6llig verrauchten Hinterzimmer eines Pariser Jazzkellers zusammen mit Albert Camus bei einer Flasche Pernod ausgeheckt haben soll. Kein Wunder, dass der existentialistische Archetyp heute dominierende Autotypen , wie Van oder Crossover (Heckklappe!), um Jahrzehnte vorwegnahm. Was seltsamerweise weder Guido Knopp und nicht mal &#8222;Auto-Bild&#8220; geschnallt haben. Aber der ich wei\u00df es. Auf solch bahnbrechende Erkenntnisse stie\u00df ich n\u00e4mlich auf ebenso ausgedehnten wie gef\u00e4hrlichen literarischen Expeditionen, auf denen ich immer wieder, die gro\u00dfenteils dusteren Tiefen und Seitengalaxien des Autokosmos durchforschte &#8211; und zwar schon in meinem ersten (Tankstellen 1982) wie auch in meinen j\u00fcngsten B\u00fcchern (Autodesign international 2010, Kann man darauf auch sitzen 2011).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/wunderschoen-restauriert-renault-4-super-60064.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4223\" alt=\"wunderschoen-restauriert-renault-4-super-60064\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/wunderschoen-restauriert-renault-4-super-60064-300x241.jpg\" width=\"300\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/wunderschoen-restauriert-renault-4-super-60064-300x241.jpg 300w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/wunderschoen-restauriert-renault-4-super-60064.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Noch eine Nachricht: &#8222;So viel Treibhausgas wie nie zuvor&#8220;, meldeten unisono die Presse\u00adagenturen. Das US-Energieministerium (sic, die m\u00fcssen es schlie\u00dflich wissen!) hat artig mitgeteilt, im vergangenen Jahr sei das nette S\u00fcmmchen von &#8222;33.500 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosph\u00e4re gelangt&#8220;. Weltrekord! Man geht davon aus, nicht unerhebliche Mengen davon sind durch ein relativ d\u00fcnnes Rohr am hinteren Ende der Kraftfahrzeuge entwischt. Und obwohl wir, wie sattsam bekannt, unseren sch\u00f6nen blauen Planeten auf diese Weise selbst mit Karacho gegen die Klimawand fahren, hat es noch niemand vermocht, dieses klitzekleine Loch zu verstopfen. Dieser wahrlich mysteri\u00f6se Unterlassungsvorgang, der mit einer gewaltigen Verdr\u00e4n\u00adgungsleistung einhergeht &#8211; die ja wiederum permanente Verbrennungs\u00advorg\u00e4nge im Gehirn aller Beteiligten bedingt (eine zus\u00e4tzliche Energie\u00advergeudung, die noch gar nicht begriffen ist) -, geh\u00f6rt zu der gro\u00dfen Zahl ungel\u00f6ster automobilistischer R\u00e4tsel, auf die nun endlich die glei\u00dfend-unbestechlichen LED-Scheinwerfer gerichtet werden. Da wird dann nebenbei auch endlich mal gekl\u00e4rt, warum es in Amerika eigentlich mehr Bestseller \u00fcber den Porsche 911 gibt als \u00fcber Marilyn Monroe.\u00a0\u00a0\u00a0 bp<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dereinst hatte ich den Vorzug, den Ex-Bunte-Journalisten Michael Ramst\u00e4tter kennenzulernen (der lie\u00df mich sogar nach M\u00fcnchen einfliegen, als das Flugzeug gerade erst erfunden war). 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