{"id":2464,"date":"2012-01-27T22:33:19","date_gmt":"2012-01-27T21:33:19","guid":{"rendered":"http:\/\/formweh.de\/?p=2464"},"modified":"2012-02-16T19:01:03","modified_gmt":"2012-02-16T18:01:03","slug":"weich-und-geschwollen-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/formweh.de\/?p=2464","title":{"rendered":"Stilkunde: Weich und geschwollen 1"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_2575\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/fj-pelican-farbcoll-korn.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2575\" class=\"size-thumbnail wp-image-2575\" title=\"fj-pelican-farbcoll-korn\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/fj-pelican-farbcoll-korn-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2575\" class=\"wp-caption-text\">Total k\u00f6rniger Abzug eines Originalfotos genau des Juhl-Sessels, der ihm kreative Fl\u00fcgel verliehen haben soll<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eOrganic Design in Home Furnishings\u201c (Organisches Einrichtungsdesign) hie\u00df die Schau, die 1940 im New Yorker Museum of Modern Art stattfand, das damit (nach \u201eInternational Style\u201c acht Jahre zuvor) bereits zum zweiten Mal als Sprachregulator fungierte. Ein schicker Name! Alle freuten sich \u00fcber das Neugeborene, auch wenn es ein Kriegskind war und etwas fahle, eingefallene Backen hatte. Andererseits: Schon wieder einer dieser Stile, von dem man gar nicht so ganz recht wei\u00df, ob es ihn tats\u00e4chlich gab, oder ob es nur ein Wortpopanz ist, der sich selbstst\u00e4ndig machte und seitdem durch die Welt gespenstert. Diese dr\u00e4ngenden Fragen werden nun in einem noch ziemlich neuen <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/kann-darauf-sitzen-Design-funktioniert\/dp\/3832193650\">Buch<\/a> behandelt: darin wird auch erstmals die komplette Design-Kommode mit ihren Stilschubladen der letzten 100 Jahre ge\u00f6ffnet. Da kommt so manche Stilbl\u00fcte zum Vorschein.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_2483\" style=\"width: 161px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/stilkommode-web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2483\" class=\"size-medium wp-image-2483\" title=\"stilkommode-web\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/stilkommode-web-151x300.jpg\" alt=\"\" width=\"151\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/stilkommode-web-151x300.jpg 151w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/stilkommode-web-516x1024.jpg 516w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/stilkommode-web.jpg 831w\" sizes=\"auto, (max-width: 151px) 100vw, 151px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2483\" class=\"wp-caption-text\">Definitive Stilkommode. Entwurf Shiro Kuramata, Zeichnung Stephan R\u00fcrup<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eOrganisch\u201c, also weich und geschwollen, ist ja so manches, zum Beispiel\u00a0 Jugendstil und Art Nouveau (die ich mal im \u00dcberschwang als &#8222;Schwellinismus&#8220; zusammengefasst habe) oder auch die sogenannten \u201ebiomorphen\u201c Formen unserer Tage, zum Beispiel etwas so Banales wie Zahnb\u00fcrsten, die mal so flach waren wie die Stiele am Eis und jetzt so dick sind wie Finger. Und dann soll es ja auch tats\u00e4chlich \u201eBionik\u201c geben und \u2013 schon geh\u00f6rt? \u2013 neuerdings auch \u201eZoomorphic\u201c. Ein ziemlich brandhei\u00dfes Thema also und somit ein Tummelplatz, auf dem sich die schlauesten Professoren mit Vergn\u00fcgen suhlen.<br \/>\n\u201eOrganic Design\u201c? Wie kamen sie auf diese Idee? Das klebrige W\u00f6rtchen \u201eDesign\u201c war ja seit Raymond Loewys \u00dcbersetzungsfehler (der den Kuratoren des Metropolitan Museum Art 1934 zwar aufgefallen, aber\u00a0 nicht beanstandet worden war) unweigerlich in die amerikanischen Medien geraten und nicht mehr zu tilgen. So weit so gut, aber hatte bei dem Adjektiv \u201eorganic\u201c nicht etwa mal wieder die (Kunst-)Avantgarde ihre regelverletzenden H\u00e4nde im Spiel? Obwohl es sie doch bekanntlich damals in den USA noch gar nicht gab? Die Stromlinienp\u00e4pste waren jedenfalls in dieser Hinsicht v\u00f6llig unverd\u00e4chtig. Doch es existierten bereits weitgehend voneinander isolierte und in der \u00d6ffentlichkeit ohnehin noch v\u00f6llig unbeachtete Zirkel, in denen sich Alternativen zur aufdringlichen Shownummer andeuteten. Im New York der fr\u00fchen 1930er Jahre gab es solch ein Verschw\u00f6rernest: Dort nahm die junge Kunststudentin Ray Kaiser \u2013 sp\u00e4ter kongeniale, wenn auch systematisch untersch\u00e4tzte Partnerin von Charles Eames \u2013 Malunterricht, und zwar bei einem in Studentenkreisen furchtbar angesagten Immigranten, Hans Hofmann, einem deutschen Maler. Obwohl das eigentlich die falsche Bezeichnung war, denn er malte gar nicht, sondern schlabberte die Farben f\u00f6rmlich auf die Leinwand. Hofmann hatte in Paris studiert und war 1932 nach Amerika gekommen. Der Umzugsfreudige, der bereits in Deutschland eine florierende Kunstschule betrieben hatte, stellte die Verbindung zwischen Picasso und Pollock her und wurde zur \u00fcberhaupt nicht grauen Eminenz des Abstrakten Expressionismus, der ersten neuen Kunststr\u00f6mung made in USA. Seine Spritz- und Kleckskurse \u2013 man nennt das heute im Kindergarten immer noch \u201efreie Gestaltung\u201c \u2013 inspirierten das junge Fr\u00e4ulein Kaiser m\u00e4chtig und sollten \u00fcber diesen Umweg zu einer Vor\u00fcbung f\u00fcr dieses omin\u00f6se \u201eorganische Design\u201c werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Fortsetzung folgt!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Siehe auch die Ausstellung <a href=\"http:\/\/www.formguide.de\/ausstellungen\/kalender\/finn-juhl-100\/\"><em>Finn Juhl 100<\/em><\/a> in Kopenhagen, eine Hommage an den leidenschaftlichen Organiker.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eOrganic Design in Home Furnishings\u201c (Organisches Einrichtungsdesign) hie\u00df die Schau, die 1940 im New Yorker Museum of Modern Art stattfand, das damit (nach \u201eInternational Style\u201c acht Jahre zuvor) bereits zum zweiten Mal als Sprachregulator fungierte. Ein schicker Name! 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