{"id":2131,"date":"2011-11-05T16:01:13","date_gmt":"2011-11-05T15:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/formweh.de\/?p=2131"},"modified":"2012-02-16T19:03:41","modified_gmt":"2012-02-16T18:03:41","slug":"diener-ohne-namen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/formweh.de\/?p=2131","title":{"rendered":"Diener ohne Namen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_2134\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/besteckhalter-369-web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2134\" class=\"size-thumbnail wp-image-2134\" title=\"besteckhalter-369-web\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/besteckhalter-369-web-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2134\" class=\"wp-caption-text\">Besteckbeh\u00e4lter aus Italia (Fotos Bernd Polster)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">Acht Jahre steht er nun in der K\u00fcche, versieht seinen Dienst vorbildlich und entzieht sich weitgehend den ungeschulten Augen. Wie er hei\u00dft, wei\u00df bis heute keiner. Und das wo heutzutage jeder Designartikel\u00a0 wie ein liebes Haustier mit Namen gerufen wird. Aber ausgerechnet dieser, der wahrlich so treu ist wie ein Sch\u00e4ferhund, hat keinen (Warum nicht Lassie oder Rin-Tin-Tin?) . 2003 muss es gewesen sein, als er in mein Leben trat. Ein namhafter deutscher Wasserhahnhersteller hatte mich auf die Mail\u00e4nder M\u00f6belmesse &#8211; den <em>Salone<\/em> &#8211; eingeladen. Weil ich damals die Designseite (sowas gab es vorher nicht und sp\u00e4ter auch nicht mehr) in der <em>Financial Times Deutschland<\/em> verantwortete. Ich war sozusagen Mister Design pers\u00f6nlich und musste deshalb hofiert werden. Das war einerseits recht komfortabel, aber auch ein wenig unangenehm wegen der st\u00e4ndigen Schleimerei. Aber das kann man ja absp\u00fclen.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_2137\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/030200-mailand-schienen-029-web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2137\" class=\"size-medium wp-image-2137\" title=\"030200-mailand-schienen-029-web\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/030200-mailand-schienen-029-web-300x223.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/030200-mailand-schienen-029-web-300x223.jpg 300w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/030200-mailand-schienen-029-web.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2137\" class=\"wp-caption-text\">Schr\u00e4ge Ecken in der N\u00e4he der Nebelkerzen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">Mailand, das ich etwa 20 Jahre vorher bei meinem ersten Italienaufenthalt noch ehrfurchtsvoll umkurvt hatte, fand ich ziemlich anregend, aber nicht besonders aufregend. Fabrizio, ein alter Freund, der auch irgendwas mit Gestaltung zu tun hat, war inzwischen aus Turin hierher gezogen (um hier die Corporate Identity einer katholischen Bank zu renovieren). Er <span style=\"font-family: Myriad Pro,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">f\u00fchrte <\/span><\/span>mich durch ein paar Bars, um mir dabei unter anderem zu erkl\u00e4ren, warum dieses Mailand eine gelackte und deshalb eher langweilige Bankenstadt sei, etwa im Gegensatz zu Rom. Naja, immerhin kam ich auch an ein paar schr\u00e4gen und eher sch\u00e4bigen Ecken vorbei, die mich bewogen, meine brandneue Digitalkamere zu z\u00fccken. Und diese Nischen lagen gar nicht weit entfernt von den geweihten Orten, an denen die Messenebelkerzen gez\u00fcndet werden.<\/p>\n<div class=\"mceTemp\" style=\"text-align: left;\">\n<dl id=\"attachment_2140\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 160px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/besteckabtropfbeh\u00e4lter-343-web1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-2140\" title=\"besteckabtropfbeh\u00e4lter-343-web\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/besteckabtropfbeh\u00e4lter-343-web1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Typisch Sottsass<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">Dann gibt es nat\u00fcrlich noch diese Sehensw\u00fcrdigkeiten, die alle zu Fu\u00df zu erreichen sind: das massive Stadtschloss Castello Sforzesco und die Passage Galleria Vittorio Emanuele, der regensichere Durchgang von der Scala zum Dom &#8211; \u00fcber den ja mal einer mit dem Besen geritten sein soll. Dieses ungew\u00f6hnliche Flugger\u00e4t hat er h\u00f6chstwahrscheinlich in einem anderen Tempel erworben, den ich als freiberuflicher Formmissionar nat\u00fcrlich auch nicht verpassen durfte: das von Konsummythen umwehte Kaufhaus La Rinascente, einst mit eigener Entwurfsabteilung, die ein gewisser Mario Bellini leitete, einer der gro\u00dfen Designmaestros. Und da mitten zwischen den verf\u00fchrerisch gestalteten Verkauftischen geschah es dann. Dieses Ding ohne Namen klebte wie Uhu an meinen designgesch\u00e4rften Blicken fest und lie\u00df sich nicht mehr absch\u00fctteln. Ich musste es also mit nach Hause nehmen und hab es nie bereut. Es handelt sich um einen Beh\u00e4lter aus durchscheinendem wei\u00dfen Hartplastik, in den man Besteck und andere Kleinteile nach dem Sp\u00fclen zum Abtropfen stellen kann. Nennen wir es deshalb ganz einfach Besteckabtropfbeh\u00e4lter.<\/p>\n<div class=\"mceTemp\" style=\"text-align: left;\">\n<dl id=\"attachment_2142\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 310px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/besteckabtropfbeh\u00e4lter-366-web1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2142\" title=\"besteckabtropfbeh\u00e4lter-366-web\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/besteckabtropfbeh\u00e4lter-366-web1-300x196.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"196\" srcset=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/besteckabtropfbeh\u00e4lter-366-web1-300x196.jpg 300w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/besteckabtropfbeh\u00e4lter-366-web1.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Dreieinigkeit<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">Der war zwar nicht von Bellini, aber von Ettore Sottsass (so steht es definitiv auf dem Boden). Noch so ein Maestro. So weit, so simpel. Aber der gute Sottsass hat dieses Teil, das in Sp\u00fclmaschinenzeiten ja eigentlich v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig zu sein scheint, mal wieder zu Ende gedacht. Der unscheinbare K\u00fcchendiener besteht aus drei Teilen, die man mit wenigen Handgriffen auseinandernehmen kann. Denn auch ein Besteckabtropfbeh\u00e4lter will mal gereinigt werden. Also: ein Au\u00dfenbeh\u00e4lter und ein darin eingesetzter Innenbeh\u00e4lter mit vier F\u00e4chern werden durch einen stabf\u00f6rmigen, abschraubbaren Griff zusammengehalten. Ein kleines Wunderwerk. Die Messe hat sich gelohnt. bp<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Acht Jahre steht er nun in der K\u00fcche, versieht seinen Dienst vorbildlich und entzieht sich weitgehend den ungeschulten Augen. Wie er hei\u00dft, wei\u00df bis heute keiner. 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