{"id":1644,"date":"2011-05-15T19:49:15","date_gmt":"2011-05-15T18:49:15","guid":{"rendered":"http:\/\/formweh.de\/?p=1644"},"modified":"2012-02-16T19:19:07","modified_gmt":"2012-02-16T18:19:07","slug":"das-tollste-radio-das-ich-je-hatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/formweh.de\/?p=1644","title":{"rendered":"Ein Radio ist ein Radio, ist ein Radio"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1645\" style=\"width: 143px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/sony-icfsw55-194-web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1645\" class=\"size-thumbnail wp-image-1645 \" title=\"sony-icfsw55-194-web\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/sony-icfsw55-194-web-150x150.jpg\" alt=\"Allesk\u00f6nner ICF-SW55: Weltempf\u00e4nger von Sony\" width=\"133\" height=\"133\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1645\" class=\"wp-caption-text\">Der &quot;Weltempf\u00e4nger&quot; wurde von Sony aufs richtige Format gebracht<\/p><\/div>\n<p>Um 1990 kaufte ich mir einen Sony-Weltempf\u00e4nger <em>ICF-SW55<\/em>, der allen Schickschnack hatte, den man sich damals vorstellen konnte und einen so guten Klang, dass er bis heute auf dem Schreibtisch steht. Reisen mit zigtausenden Kilometern hat er auch \u00fcberlebt, obwohl es mit den hunderten von vorprogrammierbaren Sendern in allen Erdteilen dann doch etwas \u00fcbertrieben war (derselbe Quatsch wie heute beim Internetradio), auch f\u00fcr den Sony-Programmierer, sodass es ab und an schon Fehlfunktionen gab. Daf\u00fcr sieht der Apparat aus, als sei es f\u00fcr den Dschungelkrieg konzipiert. Und ich hab mich wohl damit auch ein bisschen wie David Livingstone gef\u00fchlt.<!--more--><\/p>\n<p>Das markant-graue Ding hat rechts oben \u00fcbrigens eine \u00e4u\u00dferst leichtg\u00e4ngige Scheibe f\u00fcr die Sendersuche, die verdammt an das geniale Rad am i-Pod erinnert (und \u00fcbrigens selbst Vorg\u00e4nger bei Braun Hifi-Anlagen hat). Das ist \u00fcberhaupt unfair, dass heutzutage immer auf den Zusammenhang zwischen Apple und Braun hingewiesen wird, aber dass Sony Braun viel eher, ausdauernder und teilweise origineller kopiert hat, wird einfach verschwiegen. Oder vielleicht wei\u00df es einfach keiner. Also eins steht fest: Der bessere Weltempf\u00e4nger kam von Sony (und Apple hat ja gar keinen).<\/p>\n<div id=\"attachment_1689\" style=\"width: 140px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/braunt1000-werbemotiv-web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1689\" class=\"size-thumbnail wp-image-1689   \" title=\"braunt1000-werbemotiv-web\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/braunt1000-werbemotiv-web-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"130\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1689\" class=\"wp-caption-text\">Weltempf\u00e4nger Nummer. 1<\/p><\/div>\n<p>Dazu f\u00e4llt mir noch eine Geschichte ein. Als Erwin Braun, der Spiritus rector des &#8222;Braun Designs&#8220; dazu keine Lust mehr hatte und die Firma einfach an einen amerikanischen Rasierklingenkonzern verkaufte, musste er nat\u00fcrlich in die USA. Hinterher hat er sich aber auch mit dem M\u00e1ximo L\u00edder in Havanna getroffen (nat\u00fcrlich ohne den Amis ein W\u00f6rtchen davon zu sagen). Fidel Castro hatte immer Bedarf an Kaffeem\u00fchlen und brauchte neuerdings auch ein paar hundert stabile Tonbandger\u00e4te f\u00fcr seine Stasi (die mit fachlich-deutscher Unterst\u00fctzung gerade modernisiert wurde), hatte aber keine Devisen. Weil die beiden aber gleich einen guten Draht hatten, fuhr Fidel mit dem Deutschen nach den Gesch\u00e4ftsgespr\u00e4chen in den Social Club im Viertel Buena Vista. Und weil sie gerade so gut drauf waren, empfahl er ihn auch noch an seinen Freund Che weiter, der sich gerade als\u00a0 Befreiungsk\u00e4mpfer im bolivianischen Busch aufhielt. Der brauchte unbedingt einen dieser neuen \u201eWeltempf\u00e4nger\u201c <em>T 1000<\/em>, um t\u00e4glich Radio America abh\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Das Kurzwellenradio hat er nat\u00fcrlich bekommen, hat sich aber \u2013 obwohl Erwin Braun auch noch einen brandneuen Rasierer Sixtant BN (mit Langhaarbartschneider!) beigelegt hatte \u2013 hinterher bitter beschwert. Das Ger\u00e4t, meinte er, sei revolutionstechnisch v\u00f6llig untauglich. Che wusste vorher nicht, dass der Kasten \u00fcber acht Kilo wog, und war nach ein paar Tagen Schlepperei durch die Anden vollkommen fertig. Dann haben sie ihn ja auch bald gekriegt. Vielleicht w\u00e4re ja die tragische Geschichte der lateinamerikanischen Revolutionen, wenn er zum Beispiel ein Sony-Ger\u00e4t dabei gehabt h\u00e4tte, v\u00f6llig anders verlaufen.<\/p>\n<p>Weitere, teilweise ergreifende Erkenntnisse zu diesem spannenden Themenkomplex werden demn\u00e4chst auf formweh und in einem brandneuen Buch ver\u00f6ffentlicht. Titel: <em><strong>Kann man darauf auch sitzen? Wie Design funktioniert<\/strong><\/em> (250 Seiten, etwa 50 Abbildungen). Das Werk erscheint voraussichtlich in diesem (oder im n\u00e4chsten) Monat im Dumont- Buchverlag und kostet nicht mal 15 Euro. Verwiesen sei au\u00dferdem auf das informative Buch: <em>Braun 50 Jahre Produktinnovationen<\/em>, das 2005 erschien (englische Ausgabe 2009) und in dem selbstverst\u00e4ndlich auch ein ausf\u00fchrliches Portr\u00e4t des <em>T1000<\/em> enthalten ist.<\/p>\n<p>Kurze Typengeschichte des Radios in Deutschland:<\/p>\n<p>20er-Jahre: Das Radio zum Eigenbau verbreitet sich. Fertige Radios sind noch sehr teuer.<\/p>\n<p>30er-Jahre: Der einfache, massenproduzierte &#8222;Volksempf\u00e4nger&#8220; zieht als Propagandainstrument in die Wohnungen ein.<\/p>\n<div id=\"attachment_1781\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/radio1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1781\" class=\"size-medium wp-image-1781 \" title=\"radio\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/radio1-300x202.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"121\" srcset=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/radio1-300x202.jpg 300w, https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/radio1.jpg 770w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1781\" class=\"wp-caption-text\">Radiom\u00f6bel f\u00fcr alle<\/p><\/div>\n<p>50er-Jahre: Das &#8222;Radiom\u00f6bel&#8220;, als Tischger\u00e4t oder &#8222;Truhe&#8220;, und das tragbare &#8222;Kofferradio&#8220; werden popul\u00e4r. Sachliche Radioschachteln und &#8222;Weltempf\u00e4nger&#8220; von Braun entsprechen der &#8222;guten Form&#8220;.<\/p>\n<p>60er-Jahre: Der &#8222;Tuner&#8220; (oder der &#8222;Receiver&#8220;) ist fester Bestandteil der Stereoanlage, aber kein Statussymbol wie etwa der Plattenspieler. Marken wie Wega und Brionvega bringen neue Formen, die aber Nischenprodukte bleiben.<\/p>\n<p>80er-Jahre: Der Radiowecker erobert das Schlafzimmer. Sony minimiert und optimiert das &#8222;Kofferradio&#8220; zum kompakten &#8222;Weltempf\u00e4nger&#8220; &#8211; der &#8222;Walkman&#8220; ist dagegen kein Radio. Aber der Ghettoblaster, der bald im Kinderzimmer Einzug h\u00e4lt.<\/p>\n<p>nach 2000: Eine Weile scheint als es, als w\u00fcrde das Radio als eigenst\u00e4ndiger Typus verschwinden und nur mehr als Untermieter in &#8222;Minianlagen&#8220;, MP3-Playern und Handys weiterleben. Das Digitalradio f\u00fchrt zum Revival &#8211; nicht zuletzt in der K\u00fcche und anderen Nebenr\u00e4umen.<\/p>\n<p>bp<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um 1990 kaufte ich mir einen Sony-Weltempf\u00e4nger ICF-SW55, der allen Schickschnack hatte, den man sich damals vorstellen konnte und einen so guten Klang, dass er bis heute auf dem Schreibtisch steht. 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