{"id":1431,"date":"2010-11-04T15:56:08","date_gmt":"2010-11-04T14:56:08","guid":{"rendered":"http:\/\/formweh.de\/?p=1431"},"modified":"2012-02-16T19:08:46","modified_gmt":"2012-02-16T18:08:46","slug":"1431","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/formweh.de\/?p=1431","title":{"rendered":"Sitzkubus"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1432\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/bhd-f51-gelb-web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1432\" class=\"size-thumbnail wp-image-1432\" title=\"bhd-f51-gelb-web\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/bhd-f51-gelb-web-150x150.jpg\" alt=\"Sessel F 51, Walter Gropius 1923\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1432\" class=\"wp-caption-text\">F 51, Walter Gropius<\/p><\/div>\n<p><strong>Deutschland 1920.<\/strong> Als der Bildhauer und Wandervogel Josef Hartwig 1921 durch Th\u00fcringen tippelte, kam er mehr oder weniger zuf\u00e4llig auch am Weimarer Bauhaus vorbei und der Direktor Walter Gropius bat den langhaarigen Kunsthandwerker (der dann sp\u00e4ter angestellt wurde) in sein B\u00fcro. Da war der Tippelbruder, immerhin schon Anfang 40, ziemlich beeindruckt von dem einen gelben Sessel, in dem Gropius sa\u00df.<!--more--><\/p>\n<p>Er wirkt geschlossen, massiv und repr\u00e4sentativ. Walter Gropius entwarf diesen zu Unrecht weniger ber\u00fchmten Sessel f\u00fcr sein eigenes Weimarer Direktorenzimmer. Er geriet dem Gr\u00fcnder des Bauhauses zu einem programmatischen M\u00f6belst\u00fcck. Unterstrichen wurde dies noch durch den maximalen farblichen Kontrast von dunklem Kirschbaumholz und einem Wollbezug in grellem Gelb. Der Entwurf entstand zu einem Zeitpunkt, als sich die neu gegr\u00fcndete Hochschule noch in einer Selbstfindungsphase befand und die k\u00fcnftige Richtung keineswegs entschieden war. Gropius realisierte im selben Jahr das Haus Sommerfeld mit deutlich expressionistischen Ankl\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Mit dem Sessel, eines der ersten Polsterm\u00f6bel, das mit der Tradition seines Genres konsequent bricht, schuf er ein geometrisches Konstrukt und kn\u00fcpfte an eigene sachliche Vorkriegsarbeiten an, wie etwa das Fagus-Werk von 1911. Der F 51 ist Teil der Architektur, aber auch in sich zeigt der Entwurf Linientreue. Er besteht aus der Kombination unterschiedlicher Kuben.\u00a0 Charakteristisch ist das Holzgestell, das von au\u00dfen sichtbar einen Kragarm bildet. Die freitragende Bauweise deutet bereits auf die sp\u00e4teren Freischwinger hin. In seinen einfachen, rechtwinkligen und miteinander verschr\u00e4nkten Formen &#8211; hervorgehoben durch den st\u00e4rksten aller Fabkonstraste &#8211; spiegeln sich rationale und konstruktive Prinzipien, wie sie zu jener Zeit etwa bereits bei M\u00f6beln des \u00d6sterreichers Josef Hoffmann und des Holl\u00e4nders Gerrit Rietveld zu finden waren. Sie wurden sp\u00e4ter zum Markenzeichen des Bauhauses, nicht zuletzt durch die M\u00f6bel des Gropius-Mitarbeiters Marcel Breuer. Auch die Wiege und der Kubussessel von Peter Keler sowie Entw\u00fcrfe von Ludwig Mies van der Rohe gegen Ende der zwanziger Jahre kn\u00fcpfen auf unterschiedliche Weise an die neue Sitzsachlichkeit an. Der F 51 als Ganzes, wie auch das Holzgestell allein, formen einen W\u00fcrfel, in den der Sitzraum \u201eeingeschnitten\u201c wurde. Damit bildete er das Empfangszimmer ab, das ebenfalls ein W\u00fcrfel war. Diese Systematik entsprach dem schon aus der Werkst\u00e4tten- und Werkbund-Bewegung der Vorkriegszeit bekannten Konzept des Gesamtkunstwerks. Hier wurde es erstmals in seiner minimalistischen Variante verwirklicht. In seinen ber\u00fchmt gewordenen \u201eIsometrien\u201c stellte Herbert Bayer genau diese umfassenden und vision\u00e4ren Raumbeziehungen dar.<\/p>\n<p>Bernd Polster<\/p>\n<p>Der Text erschien urpr\u00fcnglich in dem Buch: <em>bauhaus design. Die Produkte der Neuen Sachlichkeit<\/em>, K\u00f6ln 2009<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland 1920. 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