{"id":1374,"date":"2010-07-04T11:50:34","date_gmt":"2010-07-04T10:50:34","guid":{"rendered":"http:\/\/formweh.de\/?p=1374"},"modified":"2012-02-16T19:10:12","modified_gmt":"2012-02-16T18:10:12","slug":"10-jahre-neue-kolner-tanke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/formweh.de\/?p=1374","title":{"rendered":"Neue Deutzer Tanke"},"content":{"rendered":"<div>\n<div id=\"attachment_1375\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/tankedeutz-dach-280x200.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1375\" class=\"size-thumbnail wp-image-1375\" title=\"tankedeutz-dach-280x200\" src=\"https:\/\/formweh.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/tankedeutz-dach-280x200-150x150.jpg\" alt=\"Tankstelle K\u00f6ln-Deutz 1959 \/ 2000\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1375\" class=\"wp-caption-text\">Tankstelle K\u00f6ln-Deutz 1959 \/ 2000<\/p><\/div>\n<p>Herrn Toprakci schwante Schlimmes. Weil die Architektur seiner vor 10 Jahren neu er\u00f6ffneten Station so gar nicht in das g\u00e4ngige Schema passte, bef\u00fcrchtete der erfahrene Benzinverk\u00e4ufer, dass Autofahrer einfach daran vorbeifahren w\u00fcrden. Dabei handelte es sich tats\u00e4chlich um eine der ungew\u00f6hnlichsten Tankstellen, in deren Biografie sich die Geschichte ihres unsteten Metiers spiegelt. Das hervorstechendste Merkmal ist das Vordach: eine Schalenkonstruktion aus Beton mit fast zwanzig Meter Spannweite, die sich rochengleich \u00fcber die Zapfs\u00e4ulen schwingt und so k\u00fchn wirkt, dass sich 1959 bei der Einweihung niemand darunter stellen mochte. Dass wir heute wieder unter diesem Dach stehen k\u00f6nnen, verdanken wir nicht zuletzt der Beharrlichkeit des K\u00f6lner Stadtkonservators, der den verrottenden Wirtschaftswunderbau in die Denkmalliste eintragen lie\u00df und sich vehement gegen einen Abri\u00df stemmte. Nach der \u00d6lkrise der siebziger Jahre war dieses Mahnmal des ewigen Aufschwungs &#8211; wie tausende anderer Tankstellen aus den flotten Fifties &#8211; aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden geschlossen worden. <!--more--><\/p>\n<\/div>\n<p>In den letzten Jahrzehnten glichen sich die Tankstellen immer mehr an. Ihr vorgefertigtes Design l\u00e4sst kaum noch Gestaltungsspielraum. Dies war keineswegs immer so. In der \u00f6kon\u00f6mischen Sch\u00f6nwetterphase nach dem Zweiten Weltkrieg huldigte man mit spektakul\u00e4ren Spritpal\u00e4sten dem Anbruch des goldenen, Auto fahrenden Zeitalters. Besonders in Deutschlands zerbombten St\u00e4dten, in denen gen\u00fcgend zentrale Baufl\u00e4chen zur Verf\u00fcgung standen, lie\u00df die Benzineuphorie der Wiederaufbaujahre den Architekten ein nie gekanntes Ausma\u00df an experimenteller Freiheit. Manche Tankstellen sahen nun aus wie fliegende Untertassen, andere waren so kantig wie das Bauhaus. Tankstellen wurden hierzulande auch zu Lieblingsobjekten kommunaler Repr\u00e4sentation. So wurde \u00adin Hannover eine Tankstelle direkt gegen\u00fcber dem alten Rathaus errichtet. Ihre gro\u00dfz\u00fcgige Rundumverglasung und ihr ver\u00adspieltes, kleebl\u00e4ttriges Betondach verbanden sich zu dem erw\u00fcnschten atemberaubenden Gesamteindruck. Auch diese Station wurde sp\u00e4ter denkmalgesch\u00fctzt und ist &#8211; wie ihr K\u00f6lner Pendant &#8211; durch Umbau vor der Abri\u00dfbirne gerettet worden.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Als der Unternehmer Selhattin Toprakci, ein Deutscher k\u00fcrkischer Herkunft, Ende der neunziger Jahre K\u00f6lns originellste Tanke wieder zum Leben erwecken wollte, waren sich professionelle Tankstellenplaner und Bankfachleute dar\u00fcber einig, da\u00df dies keinesfalls m\u00f6glich sei. In der Tat stellte sich eine komplizierte Aufgabe, bei der unterschiedlichste Gesichtspunkte zu ber\u00fccksichtigen waren: neben den Auflagen des Denkmalschutzes und den Vorgaben des Mineral\u00f6lkonzerns Esso, der die Investitionen f\u00fcr die Technik \u00fcbernahm, sollten auch Toprakcis eigene kaufm\u00e4nnische \u00dcberlegungen einflie\u00dfen. Darunter auch die bange Frage, ob der gemeine Autofahrer die ambitionierte Station \u00fcberhaupt als solche erkennen w\u00fcrde. Der mit dem Umbau betraute Architekt Walter Krause vom K\u00f6lner B\u00fcro Stadtarchitekten hat deshalb Shop und Wartungshallen mit einer feinen, an der Dachkante entlanglaufenden Lichtleiste versehen, die das Geb\u00e4ude in seinen Proportionen deutlich markiert.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Weil die Tanks\u00e4ulen und der Weg zum Shop in unseren regnerischen Breiten unbedingt \u00fcberdacht sein m\u00fcssen, wurden dem denkmalgesch\u00fctzten Vordach zwei Assistenten aus Stahl und Glas zur Seite gestellt, deren Spitzen sich vorsichtig unter die historische Betonschale schieben. Lage und Aussehen wurde vor allem dadurch bestimmt, da\u00df eine unbehinderte Zu- und Ausfahrt gew\u00e4hrleistet sein mu\u00dfte. Diesem Umstand ist es denn auch geschuldet, da\u00df es sich bei den Zusatzd\u00e4chern um Einbeiner handelt, eine Bauweise, die wegen der enormen Zugkr\u00e4fte eine ungew\u00f6hnlich stabile Konstruktion erforderte, ein Aufwand, den man den beiden Hightecht\u00fcrmen durchaus ansieht.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die aus Ruinen wiederauferstandene Station hebt sich auch in etlichen Details deutlich vom standardisierten Durchschnitt ab. So kehrt etwa die dramatische Dachform im Eingangsbereich des Shops in einem sich nach hinten verj\u00fcngenden Muster von Halogenspots wieder. Obwohl sich im Inneren der Tankstelle die deutsche Liebe f\u00fcr Vorschriften in Form von Esso-\u00fcblichen Einheitsregalen durchsetzte, so sp\u00fcrt man doch sofort das besondere Ambiente. Zum Tankerlebnis tr\u00e4gt auch Herrn Toprakcis philantropische Ader bei, die unter anderen f\u00fcr das international zusammengesetzte Personal verantwortlich ist, eine Mixtur, die wiederum zum hier praktizierten architektonischen Eklektizismus pa\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herrn Toprakci schwante Schlimmes. Weil die Architektur seiner vor 10 Jahren neu er\u00f6ffneten Station so gar nicht in das g\u00e4ngige Schema passte, bef\u00fcrchtete der erfahrene Benzinverk\u00e4ufer, dass Autofahrer einfach daran vorbeifahren w\u00fcrden. 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