Dreiste Designbesudelung!

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Eine ganz krumme Kiste! Zeichnung: Stephan Rürup

Als wäre die arme Designgemeinde, die seit so vielen Jahrzehnten leidenschaftlich, aber letztlich leider doch vergeblich für die „Gute Form“ und das Gute überhaupt in die Bresche springt, nicht ohnehin an den äußersten Rand gedrängt. Nun wird auf den Underdogs der Konsumgesellschaft auch noch verbal herumgetrampelt! Ein namhafter westdeutscher Verlag hat sich dazu hergegeben, einem notorischen Nestbeschmutzer eine gedruckte Plattform zu bieten: Und kann man darauf auch Sitzen? Wie Design funktioniert, gerade erschienen, ist nicht etwa ein Ratgeber oder ein Witzbuch, wie der Umschlag suggerieren will, sondern 250 Seiten prall voll mit zersetzender Propaganda übelster Sorte.

Da werden abstruse Fehlinformationen im Stil der Stasi und der CIA unters ahnungslose Volk gestreut. Beispiel: Angeblich gibt es gar kein „italienisches Design“ und „skandinavisches Design“ auch nicht und „deutsches Design“ sowieso nicht. Welch ein hanebüchener Unsinn, mit dem über 100 Jahre Aufklärungsrackerei rotzfrech unterminiert werden. Eine Sonderkommission „SK 4“ mit hochkarätigen Spezialisten aus dem Referat für Wirtschaftskriminalität soll aber gottseidank bereits eingerichtet worden sein. Außerdem soll sich spontan eine Hacker-Gruppe gebildet haben, die von St. Peter-Ording aus den in diesem Pamphlet enthaltenen Desinformationen digital zu Leibe rückt  – wie zum Beispiel den Behauptungen, dass das „Design“ nur entstand, weil Raymond Loewy nicht Friseur werden durfte oder dass Apple von Dieter Rams ferngesteuert wird. Um nur zwei der zum Himmel schreienden Lügen zu nennen, von denen dieses Buch nur so überquillt.

Selbst vor Scherzen über Baader-Meinhof, King-Kong und Pipi Langstrumpf wird nicht zurückgeschreckt. Und Hitler darf natürlich auch nicht fehlen. Was hat denn das noch mit Design zu tun? Gut, dass unser erster Bundespräsident Theodor  „Papa“ Theodor Heuß das nicht mehr erleben musste. Was hätte der gute Heuß, der sein Leben lang die rechte „Formgesinnung“ so hoch wie möglich hielt – und übrigens gelernter Designjournalist war -, nur zu diesem moralischen Desaster gesagt? Er hätte gesagt: „Pfui“! Und das nicht nur mit voller Überzeugung, sondern auch mit Recht.

Umschlagzeichnung: Stephan Rürup

 

 

 

 

 

 

 

Also aufgepasst, Freunde des Designs! Wem dieser rote (!) Umschlag irgendwo unterkommt, sollte also sofort die Sittenpolzei oder die Hell’s Angels alamieren, aber sich zumindest angeekelt abwenden und natürlich Kinder und Jugendliche mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vor seinem Anblick schützen! Das Schandbuch kostet übrigens nicht mal 15 Euro und ist natürlich auch bei einem der bekanntesten Internethändler vorrätig.

bp

 

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